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Nationales Symbol in frisch renovierter Pracht

Wie viel TÜV SÜD im Brandenburger Tor steckt

Unter dem Mantel: Das Brandenburger Tor während der Generalsanierung im Jahr 2001. Die Quadriga wurde später per Kran abgenommen und restauriert.
Foto: action press

Zu Besuch bei der Quadriga: Restauratoren steigen per Hebebühne zum vierspännigen Pferdewagen-Denkmal auf, um es von Grünspan zu befreien.
Foto: ddp images

Feierliche Enthüllung: Im Oktober 2002 enthüllt Modedesigner Willy Bogner das frisch sanierte Brandenburger Tor. Gesamtkosten der Maßnahme: 4 Millionen Euro.
Foto: ddp images

Zwei Jahre lang sanierten Denkmalschutz-Experten das deutsche Symbol-Bauwerk im Herzen Berlins. Bei sämtlichen Maßnahmen – von den Säulen bis hinauf zur Quadriga – mit dabei: die Bausachverständigen von TÜV SÜD.

Kaum ein Bauwerk steht so symbolmächtig für die Bundesrepublik wie das Brandenburger Tor in Berlin. Erbaut gegen Ende des 18. Jahrhunderts von Preußens König Friedrich Wilhelm II., spielten große Momente der deutschen Geschichte an dem klassizistischen Bau. Während der deutsch-deutschen Teilung verlief der Todesstreifen direkt über den Platz davor. Seit der Wiedervereinigung feiert das Land sich gerne vor der Kulisse des Säulenportals. So zelebrierte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihre Heimkehr nach dem WM-Sieg 2014 am Brandenburger Tor.

In dem Bauwerk steckt eine Menge Know-how von TÜV SÜD. Bausachverständige des Unternehmens begleiteten die Generalsanierung des Tores in den Jahren 2001 und 2002 vom ersten bis zum letzten Gewerk. „Das war einmalig. Eine beeindruckende Sache, die uns viel Freude gemacht hat“, erinnert sich Robert Julius Becker, Diplomingenieur von TÜV SÜD. Von der Analyse der Planungsunterlage über die Erstellung eines kompletten Sanierungskonzepts bis zur gutachterlichen Begleitung der Konservierungsarbeiten und der Bauabnahme am Schluss war TÜV SÜD mit dabei. Auftraggeber des gesamten Projekts: die Stiftung Denkmalschutz Berlin.

Das historische Bauwerk musste über Jahrzehnte schwer leiden.

Das historische Bauwerk hatte über die Jahrhunderte einige Male schwer leiden müssen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude mitsamt der Quadriga, dem Pferdegespann-Denkmal auf dem Dach, schwer beschädigt. Bei Ausbesserungsarbeiten noch zu DDR-Zeiten war mit eher unzureichenden baulichen Mitteln gearbeitet worden.

Um die vielen Schäden auszubessern, arbeiteten die Experten mit Hightech. Mit Lasergerät reinigten sie Sandstein-Oberflächen, beseitigten Flecken im Mauerwerk, erneuerten die riesigen Stahlbänder, welche die Seiten- und Dachteile des Tores zusammenhalten.

Das Bauqualitätscontrolling gehört bei solchen Arbeiten unbedingt zu einem erfolgreichen Projektmanagement. Sanierungen zum Erhalt denkmalgeschützter Objekte erfordern intensive Analysen und die Prüfung aller Maßnahmen unter Beachtung der komplexen bautechnischen Ansprüche. So kann die historische Substanz bestmöglich erhalten und das Projekt auch kosteneffizient ausgeführt werden.

Während der Arbeiten wurde die tonnenschwere Quadriga mit einem Hebekran herabgehoben und detailgenau restauriert. Die tragenden dorischen Säulen erhielten eine grundlegende Überarbeitung. Renovierungsspezialisten besserten alle von Umwelt- und Abgaseinflüssen verunreinigten oder beschädigten Stellen aus. Wo Regenwasser eingedrungen war, wurden Mauerpartien trockengelegt. Vom Fundament bis zum Obergeschoss.

Frühstück auf dem Brandenburger Tor

TÜV SÜD-Ingenieur Becker entsinnt sich an wunderschöne Momente: „Von oben hatten wir einen schönen Blick über Berlin. Das war toll, wenn wir morgens dort hinaufkamen, ein kurzes Frühstück mit Aussicht – und dann ging es los.“

Becker war zuständig für die Sanierung der sogenannten „Soldatenkammern“ unterhalb der Quadriga, in denen schon zu Zeiten des Preußenkönigs Wachen untergebracht wurden. Die stützenden Balken dieser Kammern erhielten eine konservatorische Holzschutz-Behandlung. Mauerwerk und Verputz untersuchte Becker auf Schäden, die anschließend umfassend behoben wurden. Auf diese Weise begleitete TÜV SÜD sämtliche Baumaßnahmen – so dass das Brandenburger Tor bis heute wieder in alter Pracht erstrahlt.