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Experte für Bretter, die die Welt bedeuten

Thomas Maier testet bei TÜV SÜD Ski- und Snowboardausrüstung

Brems-Test: TÜV SÜD-Experte Thomas Maier prüft, ob die Bremse der Skibindung den Ski rechtzeitig nach der vorgegebenen Distanz zum Stillstand bringt.
Foto: TÜV SÜD

Das Spiel der physikalischen Kräfte im Schnee: Auf dem Display des Messgerätes kann der Ski-Experte das Auslösedrehmoment der Skibindung ablesen.
Foto: TÜV SÜD

Mit schwerem Gerät: Der Materialtester Maier misst nach, ob an der Skibindung ungewollte Veränderungen des Auslösedrehmoments durch intensive Benutzung festzustellen sind.
Foto: TÜV SÜD

Die neue Leichtigkeit im Winter: Mit der Federwaage wiegt Experte Maier den geprüften Ski inklusive Bindung und Bremse.
Foto: TÜV SÜD

Ein Arbeitsplatz auf dem Hintertuxer Gletscher? Für Skifahrer ein Traum. Für Thomas Maier Routine. Der TÜV SÜD-Experte für Sport- und Freizeitgeräte unterzieht regelmäßig Ski und Snowboards einer Praxisprüfung auf der Piste.

Thomas Maier sieht der Schneewolke hinterher, die der wegrutschende Ski aufgewirbelt hat. Die strahlende Wintersonne verwandelt die Schneekristalle in Millionen leuchtender Sterne. Das Wetter am Hintertuxer Gletscher im Tuxer Tal ist fantastisch. Doch für all das hat Maier nun keinen Blick mehr. Ihn interessiert einzig und allein, ob die Bindungsstopper den Ski rechtzeitig und nach der vorgegebenen Distanz zum Stillstand bringen. 


Maier ist als Experte für Sport- und Freizeitgeräte zuständig. Seine Abteilung prüft unter anderem Fitness-Trainer, Mountainbikes, Elektroroller, Klettergurte und Sporttextilien. Fast täglich kommen neue Produkte hinzu.


Doch heute auf dem Gletscher geht es nur um Skier und Bindungen. Maier testet die neuen Modelle, die alle den „Heiligen Gral“, so nennt er es, wollen: das Prüfzeichen von TÜV SÜD. Seit 1990 ist Thomas Maier bei TÜV SÜD beschäftigt. „Man braucht schon eine Affinität zum Skisport, sonst braucht man gar nicht erst dort anfangen zu arbeiten“, sagt er. Und diese Affinität hat der begeisterte Wintersportler!


Seinen ersten Außendiensteinsatz wird er nie vergessen: Das war auch ein Praxistest für Skibindungen, auf dem Plateau der Zugspitze. Skibindungen, sie sind schon immer ein spannendes Thema für ihn. „Gerade sind Pin-Bindungen aktuell, also jene Halterungssysteme mit Stahlinserts, die für Tourengeher so wichtig sind“, erklärt Maier. Und fügt hinzu: „Vom Ablauf der Tests hat sich eigentlich in den vergangenen Jahren wenig geändert, denn es gibt immer Faktoren, die gleich bleiben, wie etwa das Öffnen oder Schließen der Bindung oder ihr Verhalten im Notfall. Aber natürlich sind immer wieder Anpassungen vonnöten, um aktuelle Entwicklungen und Normen der Realität anzugleichen.

„Das Ganze nur nach der Norm, aber nicht in der Praxis zu testen, ist einfach ein Ding der Unmöglichkeit."

Wie viele Produkte er bereits getestet hat? Daran kann sich der langjährige Produktexperte kaum noch erinnern. Sehr wohl jedoch daran, dass nicht jedes Produkt, das von ihm kontrolliert wurde, das Prüfverfahren auch überstanden hat: „Es kommt schon vor, dass jemand eine wirklich gute Idee hat und eine Skibindung baut, aber leider keine Ahnung vom Normablauf hat – also was eine Bindung auf einem unserer Prüfgeräte alles können muss. Die Konsequenz ist, dass so eine Bindung nicht funktioniert.“ Bei den renommierten Herstellern kommt so etwas nicht vor, die haben selbst zahlreiche Prüfmethoden und -apparate. Jedoch bei den kleinen Unternehmen passiere so etwas durchaus, allein weil ihnen die Prüfgeräte fehlen. „Wenn solche Personen dann einen standardisierten Test bei uns miterleben dürfen, kriegen sie leuchtende Augen. Denn sie sehen, was ihre Erfindung alles können muss“, erzählt Maier. „Aber man darf nicht vergessen, dass wir eine Prüfstelle sind. Wir beraten nicht und geben keine Tipps, wie man was verbessern kann. Aber wenn jemand bei den Prüfvorgängen vor Ort ist, ist es sicherlich unvermeidlich, dass dem einen oder anderen das entscheidende Licht aufgegangen ist.“

Abseits dieser Aufgabe widmet sich Maier auch anderen Projekten. So ist es ihm gelungen, ein Testverfahren für verstellbare Trekkingstöcke zu entwickeln, das inzwischen von fast allen Prüfstellen in Deutschland übernommen wurde. 

Mittlerweile steht die Sonne tiefer über dem Gletscher in Hintertux. Doch noch gibt es für Thomas Maier viel zu tun. Immer wieder steigt er in eine der Bindungen, die vor ihm auf dem Boden liegen. Kritisch prüft er, mit wie viel Kraft sich die Bindung schließen und öffnen lässt. 

Denn für Skifahrer ist es unabdingbar, dass eine Bindung korrekt aufgeht: „Das Ganze nur nach der Norm, aber nicht in der Praxis zu testen, ist einfach ein Ding der Unmöglichkeit." Vor allem, wenn die Tests in so einer fantastischen Kulisse stattfinden.