046

Guter Stoff für Qualitätsverbesserung

TÜV SÜD-Labore prüfen Bekleidungs- und Lederwaren auf Flammbarkeit und chemische Rückstände

Reißverschluss: Ein Mitarbeiter des TÜV SÜD-Labors in Dhaka testet Textilmaterial auf seine Reißfestigkeit.
Foto: TÜV SÜD

Im Chemiebad: In verschiedenen Lösungen analysiert der TÜV SÜD-Laborant kleine Stücke Textil.
Foto: TÜV SÜD

Die ganze Farbpalette der Textiltests: Reagenzgläser im Labor.
Foto: TÜV SÜD

Alles in einem Aufwasch: In einer speziellen Waschmaschine schickt einer der Prüfer die Textilproben in den Schleudergang. Mit einer Atemmaske schützt er sich gegen chemische Dämpfe.
Foto: TÜV SÜD

Am seidenen Faden: Jede Faser, jedes Textilmuster prüfen die TÜV SÜD-Laboranten.
Foto: TÜV SÜD

Hightech für die Mode-Branche: Analyse-Apparatur im Labor von Dhaka.
Foto: TÜV SÜD

Wenn die Chemie stimmt: Zwei TÜV SÜD-Experten beginnen die chemische Analyse von Textilproben.
Foto: TÜV SÜD

Testergebnisse: Akribisch führen die Sachverständigen Buch über jede Stichprobe – hier bedruckte T-Shirts.
Foto: TÜV SÜD

Die raschen Produktzyklen der Mode-Industrie setzen Hersteller von Bekleidungs- oder Schuhwaren unter erheblichen Druck. Darunter leidet oftmals die Qualität. Testzentren von TÜV SÜD helfen ihnen, saubere und optimal verarbeitete Ware auszuliefern.

Abdul Mubin ist eineinhalb Stunden von Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch, Richtung Norden nach Dhaladia gereist. In den Fabrikhallen von Dird Composite Textiles Ltd. will der TÜV SÜD-Prüfer eine Großbestellung inspizieren: 12.484 auberginefarbene Jogginghosen in allen Größen. Bei einer Bestellung dieser Größenordnung werden 300 Teile zufällig ausgewählt – eine verlässliche Stichprobe.

Abdul Mubin ist einer von 50 Sachverständigen, die in Bangladesch täglich gut 45 Warenprüfungen absolvieren, so wie die Charge im Werk von Dhaladia. Seine Auftraggeber sind Importeure und Handelsketten aus Europa und den USA. Für sie bietet TÜV SÜD verschiedene Prüfpläne an, die alle auf international anerkannten Normen beruhen. „Im Fall der Jogginghosen hat sich der Händler dafür entschieden, dass die Ware optisch, nicht aber funktional geprüft wird“, erklärt Ländermanager Ezhilan Neelan. Auf den Prüfberichten, die TÜV SÜD am Ende ausstellt, ist daher genau vermerkt, was untersucht wurde.

Die 300 Proben begutachtet Prüfer Mubin auf Qualität und Haptik, saubere Nähte, korrekte Farbe sowie auf Mängel im Gewebe. Die Jogginghosen sind überwiegend in Ordnung. Mubin vermerkt auf seiner Liste zwölf geringfügige Fehler, aber keine schwerwiegenden oder kritischen. Geringfügig heißt, dass der Verkaufswert nicht beeinträchtigt ist. Schwerwiegend bedeutet, dass die Ware unverkäuflich ist. Der Bekleidungshändler, für den TÜV SÜD die Überprüfung durchführt, würde die Jogginghosen zurückweisen.

Die Textil-, Bekleidungs- und Schuhindustrie sieht sich weltweit großen Herausforderungen ausgesetzt. Durch die Globalisierung sind Herstellung und Vertrieb heute oft Tausende Kilometer voneinander entfernt. Wie soll eine europäische oder amerikanische Modekette kontrollieren, ob die verschiedenen Zulieferer in der Türkei, in Indien, Bangladesch oder Vietnam das liefern, was vereinbart wurde? Und dass die Kleidungsstücke auch sicher sind? Unternehmen wie TÜV SÜD können das durch ihre Dienstleistungen vor Ort sicherstellen – und haben daher einen erheblichen Anteil daran, dass der globalisierte Warenmarkt überhaupt funktioniert.

Durch die Globalisierung sind in der Modewelt Produktion und Absatzort oft Tausende Kilometer von einander entfernt.

Die Zyklen in der Mode-Branche folgen rasch aufeinander, die Konkurrenz ist hart. Daher sind Geschwindigkeit, Preis und Qualität entscheidende Faktoren im Wettbewerb. Damit vor allem letztere nicht zu kurz kommt, vertrauen viele Händler auf Unternehmen wie TÜV SÜD – sei es mit Sichtprüfungen wie im Fall der auberginefarbenen Jogginghosen oder mit weit ausführlicheren Analysen. In den globalen Zentren der Textilherstellung – von Bangladesch über Indien und Vietnam bis nach China – betreibt TÜV SÜD ein Labornetzwerk, in dem Kleidungsstücke ganz genau analysiert werden können. Auch in Frankfurt am Main arbeitet seit 2014 ein Stoff- und Lederlabor, für das die Kollegen in Asien Know-how lieferten.

In den TÜV SÜD-Laboren wird nach weltweit einheitlichen Standards geprüft. Dass Textilien und Schuhe keine Schadstoffe enthalten, dass Reißverschlüsse, Knöpfe, Taschen und Applikationen wie bestellt vernäht sind und dass die Stoffe sich genau aus den Bestandteilen zusammensetzen, die vereinbart wurden. Neben der Laborprüfung umfassen die Dienstleistungen von TÜV SÜD für Textil- und Lederprodukte auch Audits und Pre-Shipment-Inspektionen, also Kontrollen vor dem Versand. Für die 12.484 Hosen im Werk von Dhaladia setzt Abdul Mudin das Wort „Pass“ auf seine Liste. Die Ware kann über Nacht in die Hafenstadt Chittagong transportiert und auf ein Export-Schiff verladen werden.

Was aber geschieht, wenn das Prüfergebnis „Fail“ lautet, weil die Textilien zu viele Mängel aufweisen? „Dann“, sagt Mubins Chef Ezhilan Neelan, „bekommt der Händler den Bericht und entscheidet, ob die Ware neu inspiziert oder so akzeptiert wird. Kann die Verschiffung nicht stattfinden, bezahlt der Textilhersteller die höheren Kosten für eine Luftfrachtsendung.“ Als Ausgleich für die Zeitverzögerung durch Nachbesserungen oder Neuproduktion. Aber so weit kommt es in der Regel sehr selten. Die Hersteller achten selbst auf ordentliche Qualität – die Kontrollen von TÜV SÜD wirken.