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Wenn Batterien unter Schock stehen

In fünf Hightech-Laboren unterzieht TÜV SÜD die Stromspeicher von Elektroautos einem Härtetest

Ein audiovisueller Einblick in die Arbeit eines Batterie-Testzentrums.
Video: TÜV SÜD

Auf der Weltausstellung in Paris im Jahre 1900 wurde das erste Elektroauto vorgestellt: ein Lohner-Porsche. Mehr als hundert Jahre später steht die automobile Welt vor dem endgültigen Schritt vom Verbrennungs- zum E-Motor. In den Strom-Mobilen von heute steckt eine Menge TÜV SÜD.

Der „Head of E-Mobility“ von TÜV SÜD steht bereits voll unter Strom. „Privat fahre ich seit drei Jahren elektrisch – jeden Tag“, erzählt Volker Blandow begeistert. Auf diese Weise decke er schon 90 Prozent seiner Mobilität. Nur das verbleibende Zehntel, gibt er zu, schaffe sein Elektrofahrzeug noch nicht – die 800 Kilometer Fahrt in den Urlaub, in den Süden. Die mangelnde Reichweite, das ist dem Elektroingenieur und Experten für regenerative Energie klar, verhindert bislang den Durchbruch der E-Technologie auf dem Asphalt. Noch. Denn leistungsfähigere Batterien würden in den nächsten Jahren entwickelt. Damit Autofahrer mit einer Batterieladung weiter herumkommen. Und auch der Ladevorgang nicht mehr wie derzeit sieben oder acht Stunden dauert, sondern in Zukunft nur mehr 15 bis 20 Minuten, wie Ingenieur Blandow versichert.

Längst steckt in vielen Elektroautos, die auf dem Markt sind, auch eine volle Ladung TÜV SÜD. Schon im Design-Stadium unterstützen die E-Mobility-Experten von TÜV SÜD Autohersteller bei der Entwicklung von Elektromobilen. „Wir überprüfen zu Beginn die Fragen der elektrischen Sicherheit im Fahrzeug“, erklärt Volker Blandow. Wie sind die Kabel verlegt? Entsprechen alle Verbindungen, Stecker, alle Verteiler den technischen Anforderungen? Hinzu kommt die Komponentenprüfung, etwa der Antriebsstränge aus E-Motor, Leistungselektronik und Batterie. Denn der Antrieb mit elektrischem Strom bringt auch völlig neue Sicherheitsprobleme mit sich, mit denen Ingenieure klassischer Benzinfahrzeuge nie konfrontiert waren: Maximal 12 Volt Spannung tragen herkömmliche Fahrzeuge in sich. Bei E-Mobilen erzeugen die Hochleistungsbatterien bis zu 1.000 Volt.

Kurzschlüsse, Überladungen, Zerquetschen und Aufprall – alles, was einer Batterie im Fahrbetrieb zustoßen kann, inszenieren die Labor-Fachleute.

Entsprechend wichtig sind Sicherheitstests für die Stromspeicher, die in die Wagen eingebaut werden. Dafür betreibt TÜV SÜD mittlerweile fünf spezialisierte Batterielabore weltweit. Das erste entstand bereits vor acht Jahren in den USA, vor drei Jahren das zweite in Deutschland. Seither kamen noch Prüfeinheiten in China und Korea hinzu – und im Herbst 2015 das jüngste Labor in Japan. In sämtlichen großen Automobilbau-Nationen der Welt können Hersteller also ihre neu entwickelten Batterien für E-Autos inzwischen in Laboren von TÜV SÜD überprüfen lassen. Auf den jüngsten Ableger in Fernost ist Blandow besonders stolz: „Für mich ist Japan immer noch das Mutterland der Elektromobilität, weil dort die ersten Serienfahrzeuge überhaupt auf den Markt kamen“, sagt er.

Die Tests gehen an die technische Substanz der Batterien. Die Techniker setzen sie in Flammen, um den Effekt bei einem Brand des Autos zu simulieren. In der Kältekammer wird die Leitfähigkeit bei extremen Minusgraden getestet. Dazu Kurzschlüsse, Überladungen, Zerquetschen und Aufprall – alles, was einer Batterie im Fahrbetrieb zustoßen kann, inszenieren die Labor-Fachleute. „Wir wollen die Grenzen austesten, um zu sehen, wie sicher diese Geräte sind“, erklärt Blandow.

Damit die Elektromobilität eines Tages alle Grenzen überwinden kann. Und Elektromobilfahrer auch weite Fahrten in die Ferien gefahrlos antreten können.