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Der Zug der Gläubigen

TÜV SÜD überprüft die „Mekka-Metro“ – eine Stadtbahn für Millionen von Pilgern

Von Mina bis Mekka und zurück: Die „Mekka-Metro“ verbindet die heiligen Stätten des Islam in Saudi-Arabien.
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Auch die Einheimischen nutzen die Metro. Ab 2017 wird die Bahn von Mekka bis zum Flughafen fahren.
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Die Metro befördert Gläubige aus aller Welt zu den Wallfahrtsorten des Islam im Stundentakt.
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Jedes Jahr reisen mehrere Millionen Muslime zur Hadsch, der heiligen Pilgerfahrt, nach Saudi-Arabien. Für die Städte Mekka und Medina ist dies eine logistische Herausforderung – die mit TÜV SÜD-Unterstützung seit einigen Jahren deutlich leichter geworden ist.

Der Weg nach Mekka ist beschwerlich und weit. Er war und ist immer auch eine Reise aus der Wüste, durch die Wüste und in die Wüste. Die heiligste Stadt des Islam liegt knapp 100 Kilometer vom Roten Meer entfernt im Westen Saudi-Arabiens, umrahmt von zwei Bergketten, die ein Tal bilden, in das die Pilger strömen: Jahr für Jahr drängen offiziell mehr als 2,7 Millionen Gläubige in die Geburtsstadt des Propheten Mohammed, sie reisen aus aller Welt an den Ort, den ein gläubiger Moslem mindestens ein Mal im Leben besucht haben muss. Wenn Mekka überquillt, dann ist Hadsch in der arabischen Welt, die große Pilgerzeit.

Eine anstrengende Zeit für die Gläubigen. In Mikrat beginnt ein mehrtägiges Ritual, das über die Kaaba im Zentrum Mekkas weiter nach Mina, über die Arafat-Ebene und zurück führt. Eine Wallfahrt, die neben der symbolischen Steinigung des Teufels auch die Umrundung der Kaaba vorsieht. Die Reise nach Mekka ist auch immer ein kompliziertes Ritual: An bestimmten Orten müssen spezielle Gebete gesprochen, an definierten Stellen die Geschwindigkeit des Gehens angepasst werden. Wer dabei Fehler macht, für den ist der Hadsch ungültig und muss wiederholt werden.

Die Pilgersaison ist eine alljährliche Herausforderung an die Logistiker des saudischen Königreiches. Das Grundproblem der Pilgerreise ist, dass Millionen Gläubige aus den unterschiedlichsten Erdteilen in einem relativ kurzen Zeitraum aufeinandertreffen und an denselben Tagen die verschiedenen Pilgerstätten besuchen. Unterstützung bringt seit 2010 die neue „Mekka-Metro“. Das neue Verkehrsmittel mit dem offiziellen Namen Al Masheer Al Mugaddassah Metro ersetzt nach Angaben des Auftraggebers, der Saudi Railways Organization, mehr als 50.000 Busse pro Jahr und verringert die früher endlosen Staus zwischen den einzelnen Pilgerstationen.

In den nächsten 25 Jahren wird die Zahl der Pilger die 3-Millionen-Grenze überschreiten.

TÜV SÜD hat mit insgesamt neun Experten vor Inbetriebnahme die Strecke vor Ort auf sicherheitsrelevante Aspekte untersucht. „Wir lieferten eine Beurteilung des Gesamtsystems, auf deren Basis das zuständige Ministerium in Saudi-Arabien die Betriebserlaubnis erteilte, so der damalige Projektleiter Jens Flachsbarth. 

Über 18,1 Kilometer verbindet die Metro die Stadt Mekka mit den Pilgerorten Mina, der Arafat-Ebene und Muzdalifah und transportiert bei Vollauslastung insgesamt 72.000 Passagiere pro Stunde. Die Bahn, errichtet von einem chinesischen Unternehmen mit Partnern aus Frankreich, Deutschland und anderen Staaten, ist ganz auf die Bedürfnisse der Pilger zugeschnitten. Das heißt: möglichst viele Menschen in möglichst kurzer Zeit zu transportieren. Streng genommen ist es allerdings nicht ganz korrekt, die Metro als „U-Bahn“ zu bezeichnen, denn der größte Teil der Strecke verläuft nicht unterirdisch, sondern auf einem eigens errichteten Viadukt.