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Sicherheit vor der unsichtbaren Gefahr

Wie die Labore von TÜV SÜD die elektromagnetische Strahlung von medizinischen Geräten, Smartphones und Fernsehern messen

Im Hightech-Labor: Zwei Techniker von TÜV SÜD bauen im Straubinger Testzentrum ihre Geräte auf, um die elektromagnetische Verträglichkeit neuer Produkte zu überprüfen.
Foto: TÜV SÜD

E-Mobil auf dem Prüfstand: Als eines der ersten E-Fahrzeugprojekte in Deutschland testet TÜV SÜD im Jahr 2009 den Fiat Karabag. Seither unterstützt das Unternehmen die E-Mobilität.
Foto: TÜV SÜD

Laboraufbau: Mit Antennen und Messempfängern überprüfen die TÜV SÜD-Experten die Störfestigkeit elektronischer Geräte.
Foto: TÜV SÜD

TÜV SÜD prüft elektronische Geräte auf die Verträglichkeit ihrer Abstrahlung. Im Interview erklärt Hannes Adelsberger, Elektrotechnik-Ingenieur und Teamleiter im EMV-Labor von TÜV SÜD in Straubing, wie die Tests funktionieren.

EMV – was verbirgt sich hinter dieser Abkürzung?

Das Kürzel steht für die elektromagnetische Verträglichkeit. Wir prüfen sie in unseren Laboren bei elektrischen Geräten aller Art. Dabei geht es um die Störaussendung und Störfestigkeit der Produkte, allerdings nicht in ihrer direkten Auswirkung auf den Benutzer, sondern in ihrer Wechselwirkung mit anderen Geräten.

Warum ist das wichtig? Was passiert, wenn elektrische Geräte aufeinander reagieren?

Angenommen Sie fahren mit einem Elektroauto und kommen an einem Passanten vorbei, der mit dem Handy telefoniert. Die Strahlung des Mobiltelefons darf zum Beispiel keinesfalls dazu führen, dass der Wagen unkontrolliert beschleunigt.
Oder: Ein Patient liegt auf der Intensivstation und hängt an der Herz-Lungen-Maschine. Deren Funktion darf nicht von anderen medizinischen Geräten im Zimmer oder vom Haustelefon im Kittel der Krankenschwester beeinträchtigt werden.

Wie laufen diese Prüfungen in den Laboren von TÜV SÜD ab?

Wir stellen alle Geräte, die es auf dem Markt gibt, auf den Prüfstand. Consumer-Produkte, medizinische Apparate, auch Automotive-Komponenten und sogar komplette Fahrzeuge. Wir messen, was an Strahlung aus einem Gerät herauskommt und wie viel Strahlung von außen es verträgt. Und: Entsprechen diese Werte, die wir messen, den Normen oder Richtlinien in Europa, Amerika oder anderen Zielmärkten?

Für technische Laien erklärt: Mit welchen Vorrichtungen bestimmen Sie elektrische Strahlung?

Mit Antennen und Messempfängern. Unsere Labore sehen ziemlich abgefahren aus. Das sind hohe Räume auf einem Grundriss von 10 auf 14 Metern. Die Wände sind gut isoliert, praktisch schalltot – so dass weder Geräusche, noch Strahlungen von außen hereindringen können. Gleichzeitig kann aber auch die Strahlung des Test-Geräts nicht hinaus. Für uns ist entscheidend, nur das Gerät selbst auszumessen und nicht die Umgebung des Laboraufbaus. Denn die Strahlung von Handymasten oder Hochspannungsleitungen ist ja überall in der Luft, darf sich aber auf unser Testergebnis nicht auswirken. 

Wer sind in der Regel die Auftraggeber für diese Prüfungen durch TÜV SÜD?

Meistens sind es die Hersteller der Geräte oder die Importeure. Im Industriesektor zählen die einheimischen Unternehmen in Deutschland dazu. Bei Konsumgütern sitzen die Produzenten oft in Asien. Sie möchten ihre Fernseher, Computer, Smartphones für den europäischen Markt zulassen und müssen sicher sein, dass sie auch den hiesigen Richtlinien und Grenzwerten entsprechen.

Wäre es nicht für einen Hersteller eine Katastrophe, wenn TÜV SÜD feststellt: Ihr neues Smartphone stört jeden Herzschrittmacher in der Umgebung?

Da stecken enorme Entwicklungskosten drin. Jedes große Unternehmen wird schon in der Phase der Produktentwicklung die EMV eines Geräts betrachten. Sie verfügen meistens selbst über kleinere Labore, um zumindest Vormessungen erstellen zu können. Deshalb bringen sie oft auch bereits die Prototypen zu uns für einen prophylaktischen Test. Denn wenn ein Gerätehersteller erst einmal 10.000 Fernseher gebaut hat und dann feststellt, sie werden nicht für den Markt zugelassen – dann wird’s richtig schwierig für das Unternehmen.

Der Herr der Strahlen: Elektrotechnik-Ingenieur Hannes Adelsberger, Teamleiter im Straubinger EMV-Labor.
Foto: TÜV SÜD