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Hier muss man mit Druck umgehen können

Einblicke in die Sicherheitsausbildung von Kesselwärtern an der TÜV SÜD Akademie

Künftige Kesselwärter müssen ausgebildet sein, schließlich arbeiten sie mit gefährlicher Technik.
Foto: Gallerystock

Die Sicherheit der Dampfkessel zu überwachen, war die Triebfeder zur Gründung der Dampfkessel-Revisionsvereine im 19. Jahrhundert, den Vorläufern von TÜV SÜD. Bis heute ist die Expertise von TÜV SÜD gefragt. Dampfkessel-Sachverständige bilden bei der TÜV SÜD Akademie Kesselwärter aus.

Platzt ein Fahrradreifen, gibt es einen kräftigen Knall. Wenn 2 bar über dem Atmosphärendruck aus dem Gummischlauch entweichen, kommt man mit einem leichten Schrecken davon. Doch was passiert, wenn in einem Dampfkessel mit 10 bar 1.600 Kubikmeter Dampf schlagartig ausströmen? „Da bleibt nicht mehr viel stehen“, weiß Thomas Tschorn. Der diplomierte Maschinenbauer ist Sachverständiger für Druck- und Tankanlagen bei TÜV SÜD in Augsburg. Einmal im Jahr koordiniert Thomas Tschorn bei TÜV SÜD Akademie die Referenten für den Ausbildungslehrgang zum geprüften Kesselwärter. Ob in Wäschereien, Krankenhäusern oder Industrieanlagen – heißer Dampf unter Druck treibt die Turbinen an und wird zur Stromgewinnung, zu Produktionsprozessen oder zum Heizen verwendet.

Es gibt einiges, was der Kesselwärter falsch machen kann

Doch die Kessel sind potenziell gefährlich. Nicht umsonst gehören Dampfkessel nach der staatlichen Betriebssicherheitsverordnung zu den überwachungsbedürftigen Anlagen. Arbeitgeber in Deutschland sind daher auch verpflichtet, ihre Kesselwärter ausreichend zu schulen. Obwohl die Kessel heutzutage stark automatisiert sind und durch technische Sicherheitseinrichtungen Unfälle selten passieren, „gibt es noch einiges, was der Kesselwärter falsch machen kann“, so Thomas Tschorn. „Er kann zum Beispiel den Fehler, der zum Abschalten des Kessels geführt hat, ignorieren.“ Der Seminarleiter erklärt den zukünftigen Kesselwärtern, wie sie „den Ursachen für das Abschalten auf den Grund gehen, sie abstellen und die Kesselanlage aus dem kalten Zustand wieder anfahren.“

Die Seminarteilnehmer haben bereits eine technische Ausbildung hinter sich

Drei Wochen lang schulen Thomas Tschorn und seine sechs Kollegen die Kursteilnehmer in Theorie und am „dampfenden Objekt“. Dazu gehören Kesselhausbegehungen im Industriepark in Augsburg-Gersthofen, im Kraftwerk einer Papierfabrik und in einer Müllverbrennungsanlage. Die 30 bis 40 Teilnehmer haben bereits idealerweise eine technische Ausbildung hinter sich und erste Erfahrungen in einem Kesselhaus gesammelt. Durch die Schulung können die Teilnehmer verantwortungsvoll an ihrem Arbeitsplatz agieren und im Ernstfall richtig reagieren.

Wichtig ist es Thomas Tschorn, zu vermitteln, dass die künftigen Kesselwärter „mit einem gefährlichen Medium arbeiten“. Ihre Arbeit am Kessel bedeutet in Zukunft ein hohes Maß an Verantwortung. Am Schluss des Seminars bekommen die Teilnehmer das Zertifikat „geprüfter Kesselwärter“. Damit kann der Kesselbetreiber seinem Angestellten guten Gewissens die Arbeit am Kessel übertragen.