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Mars macht mobil – und TÜV SÜD fliegt mit

Der Countdown läuft: 2018 soll zum ersten Mal ein europäisches Raumfahrzeug über die Marsoberfläche fahren. An den Vorbereitungen dieser Mission sind auch Spezialisten von TÜV SÜD beteiligt

Auf dem Bild fährt der ExoMars-Rover bereits über die Marsoberfläche.
Illustration: ESA

Eine Raumsonde in der Größe eines Autos der Mittelklasse wird 2016 Richtung Mars starten und den Planeten umkreisen. Zwei Jahre später ist dann eine Marslandung geplant. ExoMars ist der Name dieser Mission. Und Hans-Jürgen Cramer der Name des Mannes, der bei TÜV SÜD Komponenten der Raumsonde und des Mars-Fahrzeuges prüft.

Manchmal landen Teile in seinem Labor, die bereits eine Reise ins All hinter sich haben. Das ist für Hans-Jürgen Cramer trotz seiner über 20-jährigen Erfahrung auf dem Gebiet der zerstörungsfreien Prüfungen immer ein ganz besonderer Moment.

Zurzeit prüft er im Auftrag von OHB-System jedoch Komponenten, die ihren Flug erst noch vor sich haben. Einen sehr langen Flug. Denn er soll zu unserem Nachbarplaneten Mars führen. Zwischen 56 und 401 Millionen Kilometer ist er von der Erde entfernt, je nach Position auf seiner elliptischen Umlaufbahn um die Sonne. 
ExoMars heißt eine Mission der europäischen Weltraumorganisation ESA und der russischen Roskosmos. Sie soll Antworten auf die Frage liefern, ob es jemals Leben auf dem Mars gab oder vielleicht sogar noch gibt. Dazu wird die biologische Umwelt des Marsbodens analysiert werden. Die Mission besteht aus zwei Teilen: 2016 startet eine Raumsonde Richtung Mars und umkreist ihn. Zwei Jahre später soll dann der 350 Kilogramm schwere ExoMars-Rover im roten Staub auf der Oberfläche des Planeten landen

„Es ist beeindruckend, Gegenstände in der Hand zu halten, die im All waren.“

Die Anforderungen an die Materialien wie Aluminium, Titan oder Invar sind extrem: Tagsüber erreichen die Temperaturen auf dem Mars 20 Grad, in der Nacht fallen sie auf bis zu minus 85 Grad Celsius. Eines der Teile, das bald auf dem Mars zum Einsatz kommt, hält Hans-Jürgen Cramer in seinem Labor nun in den Händen. Ein Aluminiumstück, kleiner als sein Fingernagel. „Es wird dahin fliegen, wo noch nie ein Mensch gewesen ist”, sagt er ehrfurchtsvoll. Verbaut werden soll es im ExoMars-Rover. Er wird mit einer Maximalgeschwindigkeit von 100 Metern pro Stunde über die Marsoberfläche fahren. Angetrieben wird er von insgesamt 18 solarbetriebenen Motoren. Zudem ist er mit 27 Sensoren ausgestattet sowie mit einem Bohrer, der in bis zu zwei Metern Tiefe Gesteinsproben zur Analyse entnehmen kann. „Wir müssen sicherstellen, dass die Komponenten keine Risse haben”, erklärt Cramer. Er und sein Team benetzen das Material mit einem fluoreszierenden Prüfmittel, das auch in feinste Risse vordringt. Sollten Schäden vorhanden sein, werden sie unter UV-Licht sichtbar.

Der Auftrag von OHB ist nicht der erste. Bereits seit zehn Jahren arbeiten die TÜV SÜD-Mitarbeiter, die zum Beispiel auch Kernkraftanlagen prüfen, für das Raumfahrtunternehmen. Eine Arbeit, die für Hans-Jürgen Cramer auch weiterhin spannend bleibt. Und vielleicht hält er irgendwann einmal sogar ein Teil in seinen Händen, das den Mars berührt hat.

Noch muss der ExoMars-Rover irdische Tests bestehen. 2018 soll er dann auf dem Mars landen und ihn erkunden. Es erwarten ihn Temperaturen von plus 20 Grad Celsius am Tag und minus 85 Grad Celsius in der Nacht. TÜV SÜD prüft Teile des Rovers.
Foto: ESA

Im Labor von Thales Alenia Space in Cannes ist das Landemodul bereit für die Montage auf die Raumsonde.
Foto: ESA

Die extrem hitzebeständige Frontseite des Landemoduls EDM.
Foto: ESA

Auch kleinste Bauteile werden wegen der zu erwartenden Hitzebelastung mit einer Schutzhülle umgeben.
Foto: TÜV SÜD

Auf dem Testgelände im englischen Stevenage werden zur Erprobung des ExoMars-Rovers Geländebedingungen simuliert, die exakt denen der Marsoberfläche entsprechen. Ausgestattet ist der Rover auch mit einem Bohrer, der in bis zu zwei Metern Tiefe Gesteinsproben entnehmen kann.
Foto: ESA