121

Hygiene für Milliarden Menschen

TÜV SÜD unterstützt die Bill & Melinda Gates Foundation bei der Entwicklung innovativer Sanitärlösungen

Rares Gut: Wasser ist nicht überall auf der Erde in gleichem Maß verfügbar.
Illustration: iStock, Veronika Schmidt

Mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und einer funktionierenden Kanalisation. Diese Mängel führen zu schweren Erkrankungen und auch Seuchen. TÜV SÜD hat als internationaler Dienstleister von der Bill & Melinda Gates Foundation den Auftrag erhalten, einen Standard für Sanitärtechnologien zu entwickeln.

Im Jahr 2011 hat die Bill & Melinda Gates Foundation ihre globale „Reinvent the Toilet Challenge“ gestartet. Das bedeutet, sich der Herausforderung zu stellen, eine völlig neue Art von Toiletten zu erfinden. Das Ziel ist es, damit nachhaltige Sanitärlösungen für die geschätzten 2,5 Milliarden Menschen zu finden, die bisher keinen Zugang zu Wasser und damit verbunden zu hygienischen und bezahlbaren Toiletten haben. Mit innovativen Produkten sollen Krankheitserreger vernichtet und natürliche Ressourcen geschont werden. Voraussetzung ist, dass die neuen Systeme ohne Anschluss an Kanalisation, Wasserversorgung oder Stromversorgung funktionieren, auch in dünn besiedelten Gebieten, ohne Wartungsaufwand die Funktionalität gewährleisten und so attraktiv gestaltet sind, dass sie auch gerne benutzt werden.

Als Partner für das Vorhaben, jedem Menschen eine hygienische Toilette zu ermöglichen, hat die Bill & Melinda Gates Foundation TÜV SÜD gewählt. Der erste Schritt ist die Erarbeitung eines technischen Standards für Sanitärtechnologien, um den sicheren und nachhaltigen Zugang zu solchen Einrichtungen in Entwicklungs- und Schwellenländern zu verbessern. Mit Unterstützung der Wasser-Experten von TÜV SÜD wird an der Entwicklung dieses Basis-Standards gearbeitet.

„Die bisherigen dezentralen Lösungen sind häufig nicht sicher, nicht nachhaltig oder zu teuer“, sagt Dr. Andreas Hauser, Leiter des Bereichs Water Services von TÜV SÜD. Das liege unter anderem daran, so Hauser, dass es bisher keine allgemeingültige Norm und kein Best Practice dafür gebe, dass die Produkte technisch ausgereift sowie sicher für die Benutzer seien und gleichzeitig die gesetzlichen Anforderungen an den Umweltschutz einhalten. Anerkannte Standards könnten für alle Beteiligten eine gemeinsame und transparente Grundlage schaffen, die sowohl die Entwicklung bei den Herstellern als auch die Umsetzung durch Regierungen, Entwicklungshilfeorganisationen und Betreiber voranbringen würde.

Die Errichtung von Standards durch TÜV SÜD ist auf eine Laufzeit von drei Jahren angelegt. Die entsprechenden Technologien würden nach Aussage von Hauser zu Beginn vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern wie Indien, Senegal oder Südafrika zum Einsatz kommen. Aber auch in entwickelten Ländern gebe es ein nicht unerhebliches Potenzial, Lösungen finden zu wollen, die ohne Anbindung an die normale Versorgungs- und Entsorgungsinfrastruktur funktionieren und den gesetzlichen Vorgaben entsprechen.