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Glanz und Gloria im Nahen Osten

Der King Abdullah Financial District in Riad zählt zu den spektakulärsten Gebäude-Ensembles – und zu den sichersten, dank TÜV SÜD

Das KAFD-Finanzzentrum in Riad: Auf 160 Hektar Fläche werden fast 250 Hochhäuser von den TÜV SÜD-Bautechnikern abgenommen.
Illustration: PR

Geht es um die Expertise zur Sicherheit von Gebäuden ist das Know-how von TÜV SÜD international gefragt. Wie bei der Prüfung der Bauüberwachung des King Abdullah Financial District (KAFD) in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad.

Das KAFD ist quasi ein neuer Stadtteil – ein Finanzzentrum mit Börse, Bankentürmen, Monorail und Bahnanschluss. Knapp 250 Gebäude, davon 34 Hochhäuser, auf insgesamt 160 Hektar, fast viermal so groß wie der Vatikan, gilt es abzunehmen. „Solche gigantischen Baustellen gibt es nicht viele auf der Welt. Es ist der größte Einzelauftrag, den wir je hatten“, sagt Dr. Joachim Junggunst, Leiter Bautechnik International TÜV SÜD. Jeweils ein Bauingenieur, ein Elektroingenieur und ein Gebäudetechnik-Ingenieur führen die Abnahme eines Gebäudes durch. Geprüft werden die Haupttragwerke, also Stahlbetonbalken, Decken und tragende Wände, bis hin zur Fassade und der Innenausstattung, wie Fliesen und Bodenbeläge. Die deutschen Zertifizierer von TÜV SÜD sind international gefragte Experten. 2012 wollte der Bauherr, die Rayadah Investment Company (RIC), die Qualität der Gebäude mit einem Zertifikat bestätigt wissen. „Und wir sind die Einzigen, die der RIC so etwas bieten konnten, mit unserem Zertifikat nach TÜV Standard BC7“, berichtet Junggunst. 

Bei komplexen Aufträgen zeigt sich der Vorteil eines global agierenden Unternehmens. Denn im KAFD arbeiten TÜV SÜD-Experten aus aller Welt zusammen. Neben dem Projektteam aus München und verschiedenen Landesgesellschaften sind auch die Fachleute von TÜV SÜD Wallace Whittle aus Großbritannien beteiligt. „Die Teamleiter müssen aber oft Deutsche sein“, sagt Joachim Junggunst. Viele ausländische Kunden, darunter auch der saudi-arabische Bauherr, möchten explizit europäisches Know-how auf ihren Baustellen.

Der Wüstensand ist eine Herausforderung für die Ingenieure

Bis TÜV SÜD am Ende bestätigt, dass alle Arbeiten nach internationalem Leistungsstandard ausgeführt wurden, wird es noch „heiße Diskussionen geben, vermutet der Projektleiter von TÜV SÜD. Denn neben den „ganz normalen“ Problemen, die ein Bauprojekt dieser Größenordnung immer begleiten, bereiten vor allem die klimatischen Bedingungen in Riad Sorgen. Der Wüstensand zum Beispiel. Die feinen Körner sind Gift für die komplexe Haustechnik der Gebäude.

Auf 7,8 Milliarden US-Dollar belaufen sich die Kosten für das Projekt, dessen Architektur von prominenten Architekten aus aller Welt entworfen wurde. Gleich zu Beginn wurden die Hochhäuser gebaut, „damit man sieht“, so Junggunst „es geht voran.“