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Die Stadt der Zukunft

TÜV SÜD ist einer der Partner des Triangulum-Projekts. Das Ziel: innovative Verkehrs- und Lebenskonzepte für Metropolen entwickeln

Lärmreduzierung

Multifunktionale begrünte Fassaden reinigen die Luft und schlucken Lärm.

Schnelle Daten

Im Boden liegen Glasfaserkabel.

Individualverkehr

Einsteigen, Ziel eingeben – und die Kabine bringt Sie automatisch zur gewünschten Adresse.

Sensoren

Alle Umweltparameter und die Bewegungsmuster der Stadtmenschen werden registriert und Transportmittel und Energie zielgerichtet bereitgestellt.

Gewächshaus

Auf den Dächern entstehen Freizeitflächen und Gärten für alle.

Kraftvoll

Jedes Haus funktioniert wie ein autonomes Kraftwerk. Intelligente Grids verteilen die Energie je nach Bedarf.

Die Stadt der Zukunft vereint Hightech mit Grünflächen.
Illustration: Fraunhofer IAO

Autos und Lkw sind aus der Innenstadt verbannt, nur noch Fahrräder und E-Fahrzeuge sind erlaubt. Intelligente Energiesysteme und Kommunikationstechnik senken den Energieverbrauch. Es gibt keinen Lärm mehr, die Lebensqualität steigt extrem. Visionen? Nein. Bereits 2010 sollen solche Konzepte Wirklichkeit werden. Und TÜV SÜD ist dabei.

Was verbindet Manchester in Großbritannien, Stavanger in Norwegen und Eindhoven in den Niederlanden miteinander? Alle drei Städte sind real existierende Laboratorien des Triangulum-Projekts der Europäischen Union, das vom deutschen Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) geleitet und von 23 europäischen Partnern unterstützt wird. Einer davon ist TÜV SÜD, denn die Real Estate Analysten von TÜV SÜD haben eine große Kompetenz im Bewerten von Immobilien und städtischen Strukturen auf der Basis der Bausubstanz und der Umweltparameter.
 Bis 2020 sollen die drei Städte Paradiese werden. Autos werden dann aus dem Zentrum verbannt sein, nur noch Bikes und Elektrofahrzeuge sind zugelassen. Die Busse werden mit Flüsterdiesel ausgerüstet und langfristig durch die Straßenbahnen des Metrolink-Systems ersetzt. Lkw können die Innenstadt nicht mehr befahren. Sie laden ihre Waren außerhalb in neuen Logistikzentren ab, wo sie von Fahrrad- und E-Car-Kurieren übernommen und ausgeliefert werden. Intelligente Energiesysteme senken den Verbrauch und den CO2-Ausstoß aller Fahrzeuge und Gebäude. Mithilfe modernster Informations- und Kommunikationstechnologien haben die Einwohner die Möglichkeit, auf verschiedene Bereiche der Infrastruktur zuzugreifen, etwa elektrische Carsharing-Autos buchen oder intelligente Parkraumkonzepte nutzen. Sensoren, die zum Beispiel in Laternen installiert sind, erfassen unter anderem die Bewegungsdaten, so dass die Straßenbeleuchtung, der öffentliche Nahverkehr oder Mietwagen-Angebote bedarfsgerecht gesteuert werden können. Zusätzlich entstehen noch Biomasse-Heizkraftwerke.

Für die Menschen, die in Manchester, Stavanger oder Eindhoven arbeiten und leben, wird die Veränderung enorm sein. Die Staus lösen sich auf, die Luft wird besser und es wird endlich ruhiger in den Stadtzentren. Statt dem Brüllen des Verkehrs sind plötzlich wieder menschliche Stimmen zu hören und das Zwitschern der Vögel, unterlegt vom leisen Surren der Elektrofahrzeuge. 
„Unser Ziel ist es, praktikable Lösungen zu finden, um Städte smart und auch in Zukunft lebenswert zu machen. Dazu setzen wir wegweisende Konzepte für nachhaltige Energieversorgung, Mobilität und Informationstechnologie zunächst in den drei ausgewählten Städten um, sagt Alanus von Radecki vom IAO, der das Projekt koordiniert. Das Herzstück bildet eine Informations- und Kommunikationstechnik-Architektur, die in allen drei sogenannten „Leuchtturm-Städten eingesetzt wird. „Sie ist die Grundlage dafür, dass die einzelnen Technologien in der Stadt miteinander vernetzt und aufeinander abgestimmt werden, erklärt von Radecki. 
Die Wissenschaftler setzen dabei auf eine vom Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS entwickelte einheitliche Architektur für Informations- und Kommunikationstechnologie. So lassen sich die Konzepte relativ einfach auf andere Städte übertragen – auch wenn die Bedingungen und Belange nicht deckungsgleich sind. 
„Möglich macht das der modulare Ansatz des Projekts, sagt von Radecki.

Unser Ziel ist es, praktikable Lösungen zu finden, um Städte smart und auch in Zukunft lebenswert zu machen.

Alle eingesetzten Technologien werden Baustein für Baustein umgesetzt und Daten erhoben, so dass eine vergleichbare Informationsbasis entsteht. „Auf Informationen, Kommunikation, Datenaustausch und Vernetzung in Echtzeit bauen im Grunde alle Kernthemen zukunftsfähiger Städte auf, so von Radecki. Wichtig ist es, vorhandene voneinander getrennte Kommunikationsinfrastrukturen zu vereinen, seien es Sensor-, Informations- oder Mobilfunknetze. 
Die Nachhaltigkeitsexperten von TÜV SÜD ImmoWert arbeiten beim Triangulum-Projekt eng mit dem Fraunhofer-Institut zusammen, um die Fortschritte zu überprüfen. Die unabhängige Validierung der Daten ist einer der Grundpfeiler des Smart-City-Programms der Europäischen Union. Nur wenn die positiven (oder eventuell auch negativen) Auswirkungen des Konzepts auf Menschen, Umwelt und Lebensqualität, aber auch auf Wirtschaftskraft und Wertentwicklung neutral analysiert werden, kann es auf andere Städte ausgeweitet werden.
 Und das ist der Plan. Denn ab 2010 sollen die Erkenntnisse aus den Leuchtturm-Projekten auf Leipzig, Prag und Sabadell in Spanien übertragen werden. Auch andere Maßnahmen sorgen für mehr Ruhe und Lebensqualität in den Metropolen: München plant vier Meter breite, kreuzungsfreie Fahrradautobahnen, auf denen die Pendler künftig vom Umland in die Stadt fahren können. Der erhoffte Effekt: 15 bis 20 Prozent weniger Autoverkehr, weniger Staus, weniger Abgase, weniger Lärm.
 Im südkoreanischen Songdo ist die Zukunft bereits vorweggenommen: Mit effektiven Sensorsystemen werden Menschen, Umwelt, Energieverbrauch und Verkehr überwacht. Autos mit Verbrennungsmotor werden an der Einfahrt in die Stadt gehindert, E-Mobile haben Vorfahrt. Der durchschnittliche Energieverbrauch sinkt dadurch bis zu 30 Prozent, der Lärmpegel ebenfalls.
 Masdar City in Abu Dhabi ist als CO2-neutrale und autofreie Retorten- und Wissenschaftsstadt geplant. Menschen und Waren werden in unterirdischen Personal-Rapid-Transit-Netzen transportiert, bei dem der Benutzer in einer automatisierten Kabine mit bis zu 40 Stundenkilometern an sein selbst bestimmtes Ziel gelangt. Die Zukunft, sie macht so vieles möglich. TÜV SÜD ist dabei.

Das Geräusch der Zukunft ist nicht Lärm, sondern Stille. Menschen gewöhnen sich schnell daran, dass Autos kaum noch Geräusche machen. Und selbst das Rollen der Räder auf Spezialasphalt ist kaum noch zu hören. Flugzeugmotoren sind gedämmt, Fabriken mit Schallschutz ausgestattet. 
Die Umwandlung des „Corridors in Manchester von einer tosenden Verkehrsachse in eine verkehrsberuhigte grüne Meile ist eines der Leuchtturm-Projekte für die stille Stadt. Neben Manchester beteiligen sich auch Eindhoven in den Niederlanden und das norwegische Stavanger an diesem Experiment der Europäischen Union.

In Eindhoven wird das frühere Philips-Industriegelände in ein nachhaltiges Wohnquartier umgewandelt. Auch hier wird die Zukunft leise sein.

Diese Zukunftsvision ist Teil des Triangulum-Projekts der Europäischen Union, an dem neben Manchester auch Eindhoven in den Niederlanden und das norwegische Stavanger teilnehmen. Geleitet wird das Vorhaben vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation. In Eindhoven ist unter anderem die Installation von Sensoren geplant, mit denen die Straßenbeleuchtung gesteuert wird. Und in Stavanger, wo es mehr Elektrofahrzeuge gibt als sonstwo in Europa, sollen smarte Ladestationen installiert werden, die mit dem Energieversorger kommunizieren. „Nachhaltige Stadtkonzepte wie diese sind dringend nötig, sagt Kai Tepe von TÜV SÜD. „Schließlich werden in 35 Jahren voraussichtlich 80 Prozent der Bevölkerung in Städten leben. Wir brauchen deshalb intelligente Lösungen, um immer komplexere Infrastrukturen umweltfreundlich, lebenswert und effizient umzusetzen.“ TÜV SÜD ist einer von 20 europäischen Partnern, die das ambitionierte Vorhaben unterstützen und einen Beitrag für nachhaltigen Erfolg leisten. Die Experten sollen die positiven – oder auch negativen – Auswirkungen des Projekts auf Menschen, Umwelt, Lebensqualität, Wirtschaftskraft und Wertentwicklung untersuchen. Diese unabhängige Analyse ist Voraussetzung für den nächsten Schritt. Denn 2020 geht die Europatour von Triangulum weiter. Dann sollen drei weitere Städte von der Initiative profitieren.